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Dialog zwischen Medea und Akamas (Sharifa Jescheck, Naghmeh Zare)
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Akamas:
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Medea! Guten Abend. Wie geht es dir?
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Medea:
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Gut, Akamas, gut.
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Akamas:
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Hat dir das Mahl mit dem König heute gefallen?
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Medea:
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Ja, ja sehr. Aber ein wenig verwirrt bin ich, und zwar durch etwas, eine Sache, die mir gerade heute erst aufgefallen ist. Es ist das Verhalten des Königs. Es scheint mir, als hätte er zwei Persönlichkeiten, und ich weiß nicht, welche dem wahren Kreon entspricht und welche aufgesetzt ist. Solche Dinge mißfallen mir, verstehst du? Wenn man mir nicht sein wahres Gesicht zeigt, sondern falsch und unehrlich ist, Akamas. Warum, warum gibt es diese zwei Kreons: der eine steif im Thronsaal, der andere locker bei Tisch, wenn wir unter uns sind?
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Akamas:
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So habe ich es noch nie gesehen. Nein, mir war nie der Gedanke gekommen, dass es anders sein könnte. Es ist selbstverständlich. Du hast recht, er fühlt sich sichtlich wohl und lässt sich gehen bei Tisch mit Jason, dir und mir. Ich will dir Antwort geben auf deine ahnungslosen Fragen. Es stimmt, ja, Kreon hat zwei Gesichter. Als König ist Kreon nicht Kreon oder irgendein anderer beliebiger Mann. Er ist überhaupt keine Person. Er ist ein Amt, der König eben. Er kann sein privates Leben von seinem beruflichen Leben trennen. Das muss so sein.
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Medea:
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Da hast du vielleicht recht. Der Arme.
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Akamas:
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Ich mag es morgen schon bereuen, aber lass mich dir im Vertrauen erklären, wie Korinth funktioniert: Kreon denkt, er allein sei die Quelle der Macht in Korinth. Davon ist er fest überzeugt.
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Medea:
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Ist es nicht so?
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Akamas:
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Nein. Medea, ich regiere ebenso. Ich regiere nur auf eine andere Weise, aber trotzdem übe ich Macht aus. Dazu gehört allerdings, dass sie unsichtbar bleibt und jedermann so denkt wie der König. Er hat sich angewöhnt, mich ins Vertrauen zu ziehen. Meine Meinung ist ihm wichtig, Medea. Vielen ist meine Meinung wichtig.
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Medea:
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Was weißt du über das Verschwinden der Königstochter?
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(Akamas erzählt ihr dem Mord an Iphinoe und dessen Hintergründe.)
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Akamas:
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Es war nötig. Ganz Korinth wäre untergegangen, wenn wir sie nicht geopfert hätten.
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Medea:
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Was macht dich so sicher?
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Akamas:
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(wütend) Was mich so sicher mache? Das fragst du mich, der ich die Ereignisse miterlebt und, ja, das darf ich wohl sagen, mit durchlitten habe? Denke doch bitte einmal dagegen nach, ob es dir,gerade dir wirklich zusteht, irgend jemanden darüber zu belehren, wie er sich seinem Land gegenüber zu verhalten habe oder gegenüber seinem Königshaus! Gerade du, die doch ihr Vaterland verraten hat, ihren Vater und König verraten hat und die ihren Bru...
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Medea:
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Ja? Ja, was, Akamas, was willst du sagen? Wie ich mit Kolchis und meiner Flucht zurechtkomme, das überlasse doch bitte mir. Aber eins sollst du wissen: diese ganze Stimmungsmache gegen sie, die auf einer wissentlich falschen Beschuldigung aufgebaut ist, diese Stimmungsmache ist überflüssig. Ich hatte niemals vor über das zu reden, was ich in der Höhle erfahren habe. Und du sollst auch wissen, dass ich schweigen kann. Es ging mir nur darum, für mich selber Klarheit zu finden. Könnt ihr nicht einmal das ertragen?
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Akamas:
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Nur nicht allzu selbstgewiss, meine liebe Medea. Wie nennst du es, Stimmungsmache? Was macht dich da so sicher? Was, wenn aber deine eigenen Landsleute, ohne Anstoß von uns, einfach von selber mißtrauisch geworden sind? Kommt es dir denn wirklich so abwegig vor, dass sie danach fragen, ob sie vielleicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Flucht überredet worden sind? Ob da nicht vielleicht jemand ein ganz persönliches Interesse hatte, das Land zu verlassen, ehe noch der Brudermord ruchbar wurde?
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Medea:
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Was? Ha, abwegig? Allerdings, Akamas, allerdings. Höchst abwegig nach all den Jahren, und allzu passend für eure Interessen. Diese könntet ihr übrigens sehr viel besser vertreten, wenn ihr nicht diese maßlose Angst vor Enthüllungen hättet.
Wenn es nämlich stimmt, dass ohne den Mord an Iphinoe der Bestand von Korinth gefährdet gewesen wäre: wieso traut ihr euren Korinthern dann nicht zu, dass sie es verstehen würden, nach all diesen Jahren?
Dass sie einsichtig genug wären, ihr eigenes Weiterleben und ihr Wohlleben über das Leben eines jungen Mädchens zu stellen. Warum nicht, wenn es doch nötig gewesen ist? Also, was macht dich da eigentlich so sicher? Wollt ihr unbedingt weiterheucheln und weiterlügen und all die Opfer in Kauf nehmen, die daraus folgen müssen. Du musst doch absehen können, das es nicht schön sein werde.
Du tust es nicht, weil das Wohlbefinden von euch Korinthern davon abhängt, dass ihr von euch denkt, ihr seid die unschuldigsten Wesen auf Erden. So ist es doch!
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Akamas:
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Wenn du doch meinst, die Antwort zu wissen, warum fragst du mich? Medea, du stiftest zu einem ungünstigen Unruhe, jetzt wo wir im Konflikt mit den Hethitern stehen.
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Medea:
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So. Aber einen günstigen Zeitpunkt sehe ich nicht mehr. Vorallem, wo ich doch nicht mal eine von euch bin.
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Akamas:
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Aber du hättest eine von uns werden können.
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Medea:
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Denkst du wirklich?
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(Pause)
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Akamas:
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Nein. Nein, du nicht. Die Kolcherinnen hätten es werden können. Aber nein, du nicht.
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