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(Medea kommt zu Glauke)
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Glauke:
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(erfreut) Medea! Ich habe den ganzen Tag auf deinen Besuch gewartet!
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Medea:
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(lächelt) Wie fühlst du dich heute? Du siehst bedrückt aus.
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Glauke:
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Ich denke ich fühle mich so gut wie es mir möglich ist. Du weißt so wie es den anderen geht, so bin ich nicht, so kann ich nicht sein, das wollten die Götter nicht. Aber warum ich nicht so bin wie die andren Mädchen in Korinth, was ich getan habe, da komme ich nicht hinter.
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(Medea lacht)
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Medea:
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Sei etwas selbstbewusster, Glauke! (ernst) Wenn du dir diese Gedanken jeden Tag durch den Kopf gehen lässt, wird sich nie etwas ändern. |
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Glauke:
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Was soll sich denn ändern? Ich kann nicht wie du über alles und jedem stehen. Die Dinge, die über mich gesagt werden, ignorieren. Denkst du ich bemerke sie nicht, diese mitleidigen Blicke der anderen, die an meinem Gesicht und meinem Körper haften bleiben.. Glaubst du, ich höre nicht das Getuschel über mein Aussehen und mein komisches Verhalten? Meinst du, ich wüsste nicht, dass sie eine schöne Königstochter wollen? Ich kann ihnen nicht den Rücken zukehren. Ich brauche sie doch wenn es mich wieder überkommt.
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Medea:
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Versteh doch, du musst anfangen zu leben. Versteck dich nicht dein Leben lang unter diesen schwarzen Tüchern, in denen du erstickst.
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Glauke:
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Und meine Krankheit, was ist damit?
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Medea:
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Dein Ungemach wird bald vorüber sein. Komm zu mir Kind. (Glauke legt ihren Kopf auf Medeas Beine). Lass deinen Gedanken freien Lauf. Es wird dir helfen wie Medizin.
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Glauke:
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Was? Nein, nein das kann ich nicht.
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Medea:
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(legt die Hand auf Glaukes Kopf) Du musst dir nur Zeit nehmen und dir ein Herz fassen. Stell es dir so vor: in dir, in deinem Inneren ist ein Seil, an dem du dich hinunterlässt, und je tiefer du kletterst, desto weiter kehrst du zurück in die Vergangenheit. Denn sie ist ja nichts anderes, die Tiefe in dir, als dein vergangenes Leben und deine Erinnerung daran. Es wird dir helfen dir über dich selber klar zu werden.
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(Es folgt eine kurze Pause, in der Glauke versucht Medeas Rat durchzuführen)
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Glauke:
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Ich kann nicht, es fällt mir so schwer. Ach Medea! (weint)
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Medea:
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Du gibst viel zu schnell auf. Versuch es noch mal und dann öffne dich mir.
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Glauke:
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Es ist meine Familie die mir zu schaffen macht. Meine Mutter lehnt mich ab und mein Vater beachtet mich nicht. Er fasst mich nicht einmal an. Seit ihrem Tod...
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Medea:
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Du redest von Iphinoe, nicht wahr?
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Glauke:
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Ja. Ja, seit ihrem Tod ist alles anders, so sagen alle. Und es ist offensichtlich, dass ich ihren Platz nicht ansatzweise ersetzen kann. Aber genau das hat Mutter erhofft. Sie wollte eine Tochter, die ihr hilft über Iphinoes Tod hinweg zu kommen. Ich kann das nicht, ich bin nicht sie, und darum lehnt sie mich ab. Es ist mir unangenehm....
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Medea:
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Du musst sie nicht leugnen, Glauke, die Schatten, die oft über deine hellsten Tage fielen, du musst nicht weglaufen. Es steht mit deiner Mutter im Zusammenhang..
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Glauke:
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Ich will nichts mehr von ihr wissen.
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Medea:
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Vielleicht willst du doch etwas von ihr wissen. Vielleicht doch. Weißt du überhaupt, warum sie in ihren düsteren Gemächern lebt und keine Menschenseele zu sich läßt?
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Glauke:
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Weil sie verrückt ist, deshalb.
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Medea:
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Glaubst du das wirklich?
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Glauke:
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Ja.
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