Ein Projekt des Deutsch-GK-12 des Erich Kästner Gymnasiums Köln

 

Die Stellung der Frau in dem Roman "Medea" von Christa Wolf (Nilüfer Aydin)

Christa Wolf sieht die Frau in der Rolle der Unterdrückten, die geschichtlich besiegt und zu einem Objekt gemacht wurde.
Zu Medeas Zeit vollzog sich in Korinth der Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat.Frauen mit starker Persönlichkeit wurden deshalb von ihrer Umgebung gefürchtet und angegriffen. Frauen, die sich mit Kräutern auskannten und nicht bereit waren ihr Wissen aufzugeben, wurden oft als Hexen oder Zauberinnen bezeichnet.
Die Stellung der männlichen Griechen (in diesem Fall Akamas) zum Matriarchat, also den alten überlieferten Grundsätzen kommt in Christa Wolfs Roman gut zum Ausdruck: "...denn nach einer längst sinnlos gewordenen Sitte hatte der König die Krone von der Königin geliehen bekommen, die Herrschaft vererbte sich in der mütterlichen Linie..." (S.115).
Starke Frauen wurden immer unterdrückt, wenn sie etwas zu sagen hatten, "...denn auch sie war vertrieben worden, als sie mit ihren Frauen ernsthaft gegen den König und seinen Hofstaat auftrat, sie hetzten die Leute gegen Kirke auf, lasteten ihr Verbrechen an, die sie selbst begangen hatten, und brachten es fertig, ihr den Ruf einer bösen Zauberin anzuhängen, ihr alles Vertrauen zu entziehen, sodass sie nichts, gar nichts mehr tun konnte." (S.99)
Medea wird Opfer von Intrigen des königlichen Palastes, weil die Machthaber fürchten, dass ihr Geheimnis möglicherweise weiterverbreitet wird. Der korinthische König hat nämlich seine kleine Tochter umbringen lassen, weil sie als eine Frau nicht die Nachfolgerin sein sollte.
Auch die Königin Merope musste zusehen, wie ihre kleine Tochter damals umgebracht wurde, sie konnte nichts dagegen tun, sie konnte die Täter nicht aufhalten.
Nun wohnt sie in einer dunklen Kammer des Palastes, wo die Knochen der Tochter begraben sind. ".. eher eine Gefangene als eine Herrscherin, bedient und bewacht von zwei seltsamen urtümlichen Weibern..." (S.18). Die verlorene, traurige Königin muss zwar bei offiziellen Anlässen erscheinen, sie verbirgt aber ihr Leid nicht.
"Er muss diese Frau gezwungen haben, all diesen neugierigen, eitlen Leuten ihr zerstörtes Gesicht hinzuhalten, wie mich Jason dazu gebracht hat, ihnen eine Komödie vorzuspielen." (S.19)
Christa Wolf geht vom ursprünglichen Drama Euripides' aus und lässt Medea in einem ganz anderen Licht erscheinen. Denn in der griechischen Mythologie wurde Medea als ein böses, intrigantes Weib dargestellt. Das Schreckensbild der Frau hat jahrhundertelang auf die europäische Kultur gewirkt. Als die abschreckende Gestalt der Medea, hat die europäische Tradition nicht nur die Kindermörderin, sondern auch die Rache ausübende Frau, die sich ihren weiblichen Funktionen verweigert, behalten.
Die Frau bei Euripides wird nicht nur ihres Charakters als Ware bewusst, sondern hat auch den ökonomischen Charakter der Ehe eingesehen. Die Mütter hatten früher Kinder zu gebären, die zu Kriegszeiten und sonstigen Opferdiensten verwendet werden konnten, diese Opfer sollten aber von väterlicher Hand ausgeführt werden. Der Aufstand der Medea kann als eine Grenzüberschreitung der Geschlechterrollen und der Kultur verstanden werden. Christa Wolf hat Medea " unschuldig " gesprochen, indem sie den Kindermord als Machenschaft der Herrscher betrachtet.
Die Parteilichkeit der Autorin wird in ihrem Roman deutlich, weil sie die Medea immer als gut darstellt und einige andere, obwohl sie in Monologen sprechen, gegen sich selbst aussprechen lässt.
Sie hat als Feministin geschrieben. Christa Wolf geht es aber nicht um die Propagierung einer Rückkehr zum Matriarchat.
Auf die Interviewfrage, ob eine Rückkehr ins Matriarchat ihrer Meinung nach sinnvoll wäre, antwortet sie: Nein.
Wahrscheinlich habe es ein vollkommen ausgebildetes Matriarchat als "Frauenherrschaft" nie gegeben, und ein Zurück in frühe undifferenzierte Verhältnisse gäbe es sowieso nicht. Vielmehr weist sie hin auf die Möglichkeit der Emanzipation von Frauen und Männern in dem Sinne, dass nicht das eine Geschlecht das andere dominiert, sondern dass beide zusammen die Welt gestalten sollen.

Quellen:
- www.informatik.hu-berlin.de/~thalheim/dokumente/christa-wolf.html
- www2.uni-jena.de/philosophie/phil/tr/11/rezsim2.php