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Rezension des Romans "Medea-Stimmen" von Christa Wolf
Es wurden zwei Rezensionen von unterschiedlichen Gruppen verfasst:
- Rezension 1: Die unschuldige Medea
- Rezension 2
Die unschuldige Medea (Andrea Klabuhn, Sabrina Fischer, Max Dörner) In "Medea-Stimmen" rechnet Christa Wolf mit der Gesellschaft ab..
Dieses Buch ist eine Neufassung des alten Griechischen Mythos der Medea, die mit Jason, der das Goldene Vlies sucht, aus Kolchis flieht, wo sie die Tochter des Königs ist. Um fliehen zu können zerstückelte sie ihren eigenen Bruder.
Als sie später in Korinth, wo sie und Jason Asyl suchen, von Jason mit der Königstochter betrogen wird, tötet sie diese, deren Vater den König Kreon und schließlich auch noch ihre eigenen Kinder um sich an Jason zu rächen.
Diese sagenhaft böse und rachsüchtige "Furie", wie sie der griechische Dichter Euripides darstellte, war über die Jahrhunderte hinweg schon Anlass für viele Neufassungen und Neuinterpretationen.
So ließ sich auch Christa Wolf von dieser Sage inspirieren, doch ging sie einen völlig anderen Weg als die meisten vor ihr. Bei ihr gilt: Medea ist unschuldig.
Durch das Buch hindurch wird ein Mordvorwurf nach dem anderen aus der Medea des Euripides geschickt als üble Nachrede und Unterstellungen der Mächtigen enttarnt, denen die Frau aus dem fremden Kolchis Medea zu selbstbewusst und emanzipiert, quasi unangenehm ist. So nehmen Unterstellungen gegen Medea noch zu als den Machthabern zu Ohren kommt, dass Medea ihr Staatsgeheimnis entdeckt hat, die Leiche der zum Machterhalt rituell geopferten Königstochter Iphenoe.
Dies alles drückt einen Grundzug von Christa Wolfs Medea aus: Die Kritik am Verhalten von Personen, aber speziell Männern, in Machtpositionen und an der geldbesessenen Gesellschaft, die ihr Wohlbefinden auf Lügen aufbaut. Hier rechnet sie mit dieser Gesellschaft ab.
Christa Wolf greift aber noch weitere Themen der heutigen Gesellschaft geschickt und kritisch in ihrer neuen Medea auf. So kann man eine Kritik an Fremdenfeindlichkeit, mangelnder Akzeptanz, aber auch der Nichtintegration finden, da die in Korinth lebenden Kolcher nur als Bürger zweiter Klasse angesehen werden, selbst aber auch nicht den Willen verspüren sich der ihnen fremden korinthischen Gesellschaft anzupassen.
Schlussendlich müssen Medea und die Kolcher dann als Sündenbock für die in Korinth ausbrechende Pest herhalten und werden verbannt bzw. umgebracht.
Dies alles wird geschickt nicht aufdringlich durch die Verwendung von "Stimmen" dargeboten, d.h. in Form von inneren Monologen verschiedener maßgeblich beteiligter Personen. Diese "Stimmen" spiegeln in fast schon brillanter Weise die Persönlichkeiten der verschiedenen Charaktere wieder. Auf der einen Seite Akamas, der Hofastronom Kreons, der nüchtern und strukturiert denkt, immer auf seinen Vorteil suchend, und auf der anderen Seite die wirr völlig assoziativ denkende, verstörte Königstochter Glauke.
Dieser Gegensatz von nur zwei der durchaus skurrilen Charaktere in "Medea-Stimmen" zeigt schon den Vorteil der von Christa Wolf gewählten Erzählweise. Man sieht die Handlung aus der Sicht verschiedener Beteiligter und kann aufgrund des inneren Monologs die Beweggründe aus welchen sie handeln besser verstehen und sich zudem relativ gut mit den Beteiligten identifizieren.
Es gibt allerdings auch Nachteile, die die "Stimmen" mit sich bringen. So wird der Ablauf der Handlung, so gut er auch verzahnt ist, in seinem chronologischen Ablauf nur schwer ersichtlich und dürfte für einen Leser, der Medea nicht kennt, nur schwer und sehr spät nachvollziehbar werden.
Insgesamt kann man sagen, dass Christa Wolf mit "Medea-Stimmen" eine durchaus gelungene Neufassung der Medea geschrieben hat, die gesellschaftskritisch die Idee durchführt, dass Medea doch nicht die "Furie" war, als die sie dargestellt wurde.
Die gute Lesbarkeit wird dabei durch die gewählte Erzählart noch verbessert, doch könnte sie auch zum Problem für nicht medeaerprobte Leser werden.
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Rezension von Setareh Maleknia und Yvonne Hilger
Medea, mythische Gestalt, auf die schon zahlreiche Autoren zurückgegriffen haben, wird auch von Christa Wolf eigenwillig und gekonnt in ihrem Prosatext "Medea - Stimmen" von 1996 bearbeitet.
Als Vorlage benutzt sie den großen Mythos, der Heilerin, Intrigantin, Verräterin und Kindesmörderin Medea.
Christa Wolf erzählt das Leben Medeas, teilweise Quellen Euripides folgend, neu und schafft dabei das Bild einer eigenwilligen, ungewöhnlichen und stolzen Frau, zwischen den Zeiten des Patriarchats und des Matriarchats.
Da Medea aus Kolchis stammt und somit ein System gewöhnt war, welches weitgehend dem Matriarchat gleicht, hat sie große Probleme sich dem in Korinth herrschenden Patriarchat zu unterwerfen. Aufgrund dessen wird sie ein Opfer der männlich orientierten Regierung.
Auch Iphinoe, die Königstochter, deren Leiche Medea nach ihrer Flucht aus Kolchis nach Korinth in einer schwer zugänglichen Felsenhöhle entdeckt, wurde Opfer des strengen Patriarchats.
Durch die gekonnte Aufspaltung in die inneren Monologe der Hauptfiguren, benannt als "Stimmen", wird ein eindeutiger Zusammenhang der Geschehnisse erschwert, aber nicht verhindert. Allerdings wird der Leser durch die nicht textlogische Reihenfolge der Handlungen zum Nachdenken angeregt.
Medea ist eine Heilerin, die, nachdem sie von Jason verstoßen wurde, pestkranke Menschen pflegt und von Christa Wolf als eine Art "Mutter Theresa" dargestellt wird, was die Korinther jedoch nicht davon abhält, sie zu verstoßen und als "Sündenbock" für alles Schlechte verantwortlich zu machen, welches durch Christa Wolfs feministisch geprägten Erzählstil verstärkt hervorgehoben wird.
Durch ihre Erzählweise verliert die Handlung zwar an Lebendigkeit, doch die Gefühle der erzählenden Personen kommen stärker zum Ausdruck, aber trotz allem ist dieser Roman spannend, ideenreich und lesenswert.
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