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Zusätzliche Stimme: Merope (von Ferhan Sen und Hülya Aldemir)
Da es zwei Möglichkeiten gab, die Person Merope einzuordnen (nach den Beschreibungen von Glauke und denen von Leukon), gibt es auch zwei Fassungen der Stimme von Merope:
- Version 1: Einordnung nach Glauke
- Version 2: Einordnung nach Leukon
Einordnung nach Glauke Ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich musste raus. Raus aus diesem Saal. Weg von den verlogenen Schlangen. Wie sie da saßen um mich herum. Sie schienten sich zu amüsieren. Aber sicher war ich mir nicht. Man weiß nie, was diese Menschen denken. Sie sind zu allem fähig. Ich musste alles mit ansehen. Sie vergaßen ihre Verbrechen und taten so, als wäre nichts geschehen. Ich konnte dieses ewige Spiel nicht mitmachen. Ich konnte, nein, ich wollte nicht alles vergessen und lachen. Wie könnte ich? Wie sollte ich? Ich bin nicht so herzlos wie dieser Mann, der neben mir saß und sich fürchtete. Ja, ich weiß wie sehr er sich vor mir fürchtet. Er hat Angst, ich könnte öffentlich sein Geheimnis verraten. Es rührt ihn kein bisschen. Er hat es nie bereut. Er hatte keine Gnaden, dieser Abschaum. Ich hasse ihn. Ich hasse ihn dafür, was er mir angetan hat, dafür, was er dir angetan hat. Er hat mich mit dir getötet. Mein Licht ist erloschen als du, meine Kleine, deinem herzlosen, machtgierigen Vater zum Opfer fielst. Er hat dich ermordet, nur aus Angst, dass wir dich an seine Stelle setzen würden. Das wollten wir auch. Wir wollten Korinth retten. Das habe ich auch der Frau gesagt, der Heilerin. Ich kenne ihren Namen nicht, denn Kreon hat den Dienern verboten, mit mir über sie zu reden. Außer meinen treuen Dienern und Merinos ist sie die einzige Person, mit der ich seit deinem Tod geredet habe. Sie weiß Bescheid über dich. Ich bin froh, dass ich es ihr gesagt habe. Ich möchte, dass es ganz Korinth erfährt Ich habe keine Angst vor Kreon. Alle sollen wissen, was für ein Mensch er ist. Kann überhaupt jemand, der sein Kind umgebracht hat, ein Mensch sein? Er ist skrupellos und verloren. Ihn wird der Teufel holen. Zuerst hat er dich, Iphinoe, ausgesaugt und jetzt will er Glauke für seine Machtspiele benutzen. Glauke, meine arme, kranke Tochter. Es tut mir so leid. Ich weiß, du glaubst, ich liebe dich nicht, aber es stimmt nicht. Ich kann dir meine Liebe nur nicht zeigen, während ich immer an sie, Iphinoe, denken muss. Ich kann mich nicht um dich kümmern. Ich habe Angst mich an dich zu binden und dann wieder zu verlieren. Verzeih mir!
Keiner weiß, wie ich mich fühle. Nur die Heilerin. Sie ist die einzige Person, die mich zu verstehen scheint. Da gibt es natürlich noch den Merinos. Er gibt mir Trost und Liebe, die ich von Kreon nie bekommen habe. Kreon. Er hat mich nie verstanden. Dieser Kindermörder. Ich habe es einfach nicht mehr länger neben ihm ausgehalten. Ich bin gegangen. Und sie, sie ist mir gefolgt.
Sobald ich aus der Tür war, habe ich gehört, wie deine arme Schwester wieder zusammengebrochen ist. Doch ich, ich musste zu dir, Iphinoe.
Ich bin durch den geheimen Einstieg hinter den Fellen in die Höhle gegangen und habe mich durch die langen, düsteren Gänge zu dir geschlichenen. Als ich den Platz erreichte, wo deine Knochen immer noch nach diesen endlosen Jahren verweilen, setzte ich mich auf den Stein, auf dem ich immer sitze, wenn ich bei dir bin. Ich spürte, dass diese Heilerin auch anwesend war und nach mir lauschte. Ich wunderte mich, dass sie den geheimen Zutritt in die Höhle gefunden und mir ohne die scharfen Steine und die eisige Kälte zu beachten, gefolgt ist. Einerseits wollte ich nicht, dass dich jemand außer mir in diesem Zustand sieht. Dann aber war ich froh darüber, dass sie mir gefolgt ist. Sie gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Sie war die Einzige, die sich gegen Kreon wenden konnte.
Ich war mir sicher, sie würde dieses Geheimnis niemals verraten. Aber auch wenn, es wäre mir gleichgültig. Kreon kann mir kein Leid mehr zufügen. Er hat schon alles, was mir Wert ist, weggenommen. Ich habe nichts mehr zu verlieren.
Wärst du doch nur bei mir geblieben, Iphinoe. Hätten wir bloß nicht die Absicht gehabt, dich an Kreons Stelle zu setzen. Wir hätten wissen müssen, dass er alles tun würde, um an der Macht zu bleiben. In der Höhle musste ich wieder daran denken und die Wut auf Kreon wurde so groß, dass sie einen Schrei in mir auslöste. Ich habe endlose Momente um mein Leid geweint. Was kann ich auch sonst tun? Ich bin so hilflos. Meine einzige Stütze ist Merinos. Ich weiß nicht, was ich ohne ihn machen würde. Er ist ein großer tapferer Mann. Er kam mit Jasons als ein Argonaut nach Korinth. Wenn Kreon wüsste. dass er mich ab und zu besucht, würde er ihn umbringen. Er hätte sogar einen Grund, um mich aus seinem Weg zu räumen. Zum Teufel mit Kreon.
Es wird der Tag kommen, an dem ich seinen erbärmlichen Untergang sehen werde. Auch Akamas soll mit ihm untergehen. sie waren es, die uns daran gehindert haben, wieder einer Frau die Macht über Korinth zu geben. Das war auch unser Recht. Der Thron ist das Recht einer Frau. Das weis auch Kreon, aber es kümmert ihm nicht. Ihm ist egal, was Recht und was Unrecht ist. So ist auch Akamas! Er ist ein kluger Mann. Ich weiß, dass er Kreons Pläne schmiedet. Er hat einen sehr großen Einfluss auf Kreon. Das merke ich.
Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob Akamas Korinth regiert, oder Kreon. Aber da ist auch kein Unterschied. Wenn das so weiter geht werden beide noch Korinth den Untergang bringen.
Wieso stehen uns die Götter nicht bei? Sie haben zugesehen, wie Kreon dich ermorden ließ. Wieso haben die Götter nicht eingegriffen? Hätten sie uns geholfen, säßest jetzt du, Iphinoe, auf dem Thron. so hätte es sein sollen. Die Götter hätten zu uns halten müssen. Ich rede zu euch: Ihr habt zugelassen, dass meine liebe Iphinoe ermordet wurde. Erhört wenigstens diesen einen Wunsch und beschützt Glauke vor diesem machtsüchtigen Mann. - nach oben -
Einordnung nach Leukon
Sie ist tot. Auch sie hat mich verlassen. Sie lag so leblos in meinen Armen. Ihr Gesicht war blass und ihre Hände kalt. Wieso habt ihr Götter sie nicht beschützt? Wieso tut ihr mir das an? Alle Menschen, die ich liebe sind weg. Sogar die Götter haben mich verlassen. Warum hat sie das bloß getan? Warum hat sie sich umgebracht? Ich dachte, sie wäre glücklich. Sie wollte doch Jason heiraten. Meine Diener sagten, dass sie Jason geliebt hat. War das eine Lüge? Haben sie mich belogen? Wurde etwa meine arme Tochter dazu gezwungen Jasons Frau zu werden? Oder hat diese Heilerin sie tatsächlich verhext? Das sagt zumindest Akamas. Alle behaupten, dass diese Frau keine Heilerin sondern eine böse Zauberin wäre. Ob das wahr ist? Aber wieso sollte sie das tun? Als Rache? Nein, so etwas Grausames würde sie Glauke nicht antun. Sie hat sich doch immer sehr gut um Glauke gekümmert.
Vielleicht war es sogar Kreon, der Glauke zum Tod getrieben hat Ich mute ihm alles zu. Ohne eine Wimper zu zucken, kann er die grausamsten Taten vollbringen.
Glauke, du bist gegangen, bevor ich dir meine Liebe beweisen konnte. Du musst gedacht haben, dass ich eine schlechte Mutter bin. Ich hatte immer Angst, auch dich zu verlieren. Und nun ist auch dieses geschehen. Ich habe keinen mehr auf dieser Welt. Auch Merinos besucht mich nicht mehr.
Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Ich bin verloren. Ich weiß, dass ich es niemals Kreon heimzahlen kann. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihn zu verfluchen. Auch wenn er Glauke nichts angetan hat, wieso hat er sie nicht beschützt? Hat er sie denn gar nicht geliebt? Nein, dieser Mann kann nicht lieben. Er hat kein Herz. Die einzigen Gefühle, die besitzt, sind Stolz und Machtgier.
Die arme Glauke. Sie hat nie Liebe von ihren Eltern bekommen, weder von Kreon noch von mir. Sogar eine fremde Frau, die Heilerin, konnte ihr mehr Liebe geben als wir. Meine Diener sage, sie hätte geheilt und ihr Lebensfreude geschenkt.
Hätte ich dir doch nur ein letztes Mal sagen können, wie sehr ich dich Liebe. Wieso habe ich mich bloß nicht mehr um dich gekümmert. Vielleicht wärst du noch am Leben, wenn ich bei dir gewesen wäre. Verzeih mir!
Auch du, Iphinoe, sollst mir verzeihen. Ich liebe euch beide.
Iphinoe! Glauke! Holt mich zu euch! - nach oben - |